Elternmitarbeit zu viel verlangt?
19.30

Rückblick

 

 

siehe auch unter:

http://www.youtube.com/watch?v=K3mLKUPM7NE&feature=youtu.be

 

Erziehungspartnerschaft ist das Herzstück im Betreuungsalltag unserer Kinder. Der Idealfall ist eine Partnerschaft zwischen allen Beteiligten in der Kindererziehung: Kinder, Eltern, Großeltern, PädagogInnen etc. – alle, die an der Erziehung unserer Kinder mitwirken. Somit wird dieses Thema auch in den Kinderbetreuungseinrichtungen immer wichtiger. Die Erziehungspartnerschaft muss wahrgenommen werden. Sie muss gelebt werden. Sie muss gefördert werden. Nur dann kann eine für das Kind ganzheitliche Welt entstehen, in der es wichtig ist, was jeder einzelne zu sagen hat. Das gibt dem Kind Sicherheit, Vertrauen und stärkt das Selbstwertgefühl.

Deshalb ist es auch so wichtig, dass überlegt wird, wie denn ein machbares Modell dieser Partnerschaft aussehen könnte. Eine Kernüberlegung ist, dass diese Erziehungspartnerschaft als Chance gesehen werden soll und muss, weniger als Pflicht und notwendiges Übel.

 

Durch diese Erkenntnis können alle Beteiligten profitieren…

 

…Die Kinder, weil sie nicht mehr durch „getrennte Welten“ verunsichert werden:

Getrennte Welten entstehen dann, wenn die Kinder in einer Betreuungseinrichtung „abgegeben“ werden, in der sich die PädagogInnen und BetreuerInnen nichts zu sagen haben und dies auch nicht wollen.

 

…Die Eltern, weil sie sich aktiv an der Situation in der Betreuungseinrichtung der Kinder beteiligen können und somit auch hier einen Einfluss auf die Erziehung ihrer Kinder nehmen können. Hier findet dann im Idealfall ein Austausch statt, der die Eltern mit pädagogischen Gesichtspunkten bereichert.

 

…Die PädagogInnen, weil sie durch die Zusammenarbeit mit den Eltern die Situation der Eltern und des Kindes besser kennen und verstehen lernen und somit eine solidere Grundlage für pädagogische Entscheidungen besitzen.

 

 

 

Vortrag Frau Mag. Gabriele Bäck:

Geschäftsführerin Charlotte Bühler Institut, Wien

 

Frau Bäck sieht Bildungspartnerschaft mit Eltern „als wesentlichen Schlüssel für die bestmögliche Förderung eines Kindes in der Kinderbetreuungseinrichtung“ und befürwortet die Einführung von Qualitätsstandards mittels der sog. „Kindergarten-Skala“ nach Tietze, Schuster, Grenner, Roßbach, 2005 bzw. der sog. „Kinderkrippen-Skala“ nach Tietze, Bolz, Grenner, Schlecht, Wellner, 2005, um die pädagogische Qualität feststellen und unterstützen zu können. Somit können vergleichbare Qualitätsstandards bei allen öffentlichen und privaten Einrichtungen erzielt werden, die insgesamt zu einer Qualitätssteigerung und Qualitätssicherung führen. Frau Bäck betont, dass „die gemeinsame Verantwortung für das Kind und das gegenseitige Interesse im bundesländerübergreifenden BildungsRahmenPlan für elementare Bildungseinrichtungen in Österreich als wichtige Ziele beschrieben werden“.

 

 

Vortrag Frau Mag. Andrea Kirchtag:

Wirtschaftstrainerin, Coach, Unternehmensberaterin

Mitentwicklung der Konzeption BÖE-Bildungszyklus / Referentin des BÖE-Bildungszyklus

 

Als Elternteil und ehemalige Obfrau einer elternverwalteter Kindergruppe spricht Frau Kirchtag von einer „gelungenen Zusammenarbeit von Eltern und BetreuerInnen“, die als „Pionierleistung der selbstorganisierten Kindergruppen“ zu sehen ist. Sie sieht dennoch auch die kritischen Faktoren wie z.B. der hohe Zeitaufwand für die Eltern, der auch manchmal über die eigenen Grenzen gehen kann.

Deshalb ist es wichtig, dass man in Kinderbetreuungseinrichtungen verschiedene Erfolgsfaktoren installiert und auch immer wieder überprüft und hinterfragt, z.B.

Klarheit: Wie ist Elternarbeit in der Gesamtorganisation verankert?

Zeit: Unterschiedliche Elternteile haben unterschiedliche Möglichkeiten der Beteiligung.

Motivation: Die Eltern brauchen Motivation, mit zu arbeiten.

Kommunikation: Sie ist die Basis für Vertrauen.

 

 

Moderatorin Frau Mag. Malina Klöppel:

Geschäftsführerin des Eltern-Kind-Zentrum Innsbruck

 

Frau Klöppel führte mit viel Herz durch den Abend. Als erfahrene Moderatorin für pädagogische und partizipative Projekte weiß Frau Klöppel, dass „sich eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Bildungs- bzw. Betreuungseinrichtung und Elternhaus/Familie in jeder Hinsicht positiv auf alle Beteiligten auswirkt. Den Kindern gibt sie Orientierung

und gewährleistet die ganzheitliche Wahrnehmung ihrer Bedürfnisse. Die an der Erziehung und Betreuung Beteiligten können einander unterstützen, entlasten und eigene Sichtweisen und Positionen zu Erziehungsfragen im gemeinsamen Dialog weiter entwickeln.“

 

Die Veranstaltung wurde von den Medien mit Interesse wahrgenommen, TV und Printmedien griffen das Thema sowohl im Vorfeld als auch nach der Veranstaltung inhaltlich auf. Unterschiedliche Zielgruppen waren anwesend. Vertreter der Stadt Innsbruck sowie der Universität Innsbruck erklärten die Wichtigkeit dieses Themas.

 

Der Amtsführende SP-Bildungsstadtrat Ernst Pechlaner bestätigte: „Elternmitarbeit ist ein Gebot der Stunde und sehr sinnvoll und wichtig.“ Die Verantwortung, die Gesellschaft im Umgang mit unseren Kindern weiterzuentwickeln, liegt bei uns allen. „Deswegen gilt es, diese Verantwortung verstärkt einzumahnen und einen breiten Dialog über die große Bedeutung einer gelungenen gemeinsamen Kinder- und Jugendarbeit zu starten.“ so Pechlaner.

 

 

Durch die anschließende Diskussion der anwesenden PädagogInnen, Ausbildner/Innen, LeiterInnenn in öffentlichen Einrichtungen, Vorstände aus privaten Einrichtungen und Eltern kam jedoch auch der Knackpunkt ans Tageslicht, den es noch zu bearbeiten gibt:

Elternmitarbeit wird von vielen noch als notwendiges Übel gesehen. Es muss ein Umdenken stattfinden, nämlich dahingehend, dass wir alle erkennen, dass der angestrebte Zustand nur eine „Win-Win-Win-Situation“ sein kann: Glückliche Kinder bedeuten glückliche Eltern UND zufriedene PädagogInnen. Erst wenn wir erkennen, dass

wir ALLE zur Kindererziehung beitragen können und müssen, egal ob Elternteil,

Großelternteil, sonstige Bezugsperson, PädagogIn, AushelferIn, AusbildnerIn von Betreuungspersonen, Arzt/Ärztin, Gesetzgeber etc. wird sich der Kreis in der Wahrnehmung der Kinder schließen.

 

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Abgerufen am: 20.01.2019